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23.06.2016 // Sonnenbrand beim Wandern vermeiden: 12 Tipps für Neulinge

Schnell ist es passiert: Vor lauter Begeisterung über die wunderschöne Natur und den herrlichen Sonnenschein wandert man gerne auch mal ein wenig länger  - und ohne es gleich zu merken, hat man sich einen Sonnenbrand eingefangen. Das muss aber nicht sein. Mit unseren Tipps vermeiden Sie diese unangenehmen Urlaubs-Souvenirs.

Gerade unerfahrene Wanderer unterschätzen schnell die Kraft der Sonne. Und die ist in den Bergen noch sehr viel stärker als im heimischen Flachland. Die menschliche Haut reagiert auf diese Einflüsse sehr empfindlich, zumal, wenn sie diese Belastungen nicht gewohnt ist.

Ein Sonnenbrand ist genau das, was das Wort sagt: Eine Verbrennung der Haut durch die Sonnenstrahlen. Und das sollten Sie durchaus ernst nehmen.

 

UV-Strahlen – der unsichtbare Feind für die Haut

Verantwortlich für den Sonnenbrand ist allerdings nicht die Wärme oder Hitze, also die Temperatur, die uns ab einem gewissen Grad sogar körperlich zu schaffen macht. Hierfür ist der Infrarotlicht-Anteil (ca. 50%) des Sonnenlichts verantwortlich. Die Hautverbrennungen entstehen durch die unsichtbaren UV-Strahlen, die einen weiteren Teil (10%) des Sonnenlichts ausmachen.

Dabei sind es im Grunde zwei Faktoren, die hier zu berücksichtigen sind:Wanderurlaub ohne Sonnenbrand

  • UV-A-Strahlen: Diese Strahlen machen etwa 90 % des UV-Anteils aus und dringen tief in die Haut ein, zerstören die Elastin- und Kollagenfasern und sorgen für frühzeitige Hautalterungen („Ledertaschen“). Sie bewirken  schnelle, aber nicht lange anhaltende Bräunung.
  • UV-B-Strahlen: Die UV-B-Strahlen machen nur etwa 5-10 % des unsichtbaren UV-Lichts aus. Anders als die UV-A-Strahlen wirken sie an der Hautoberfläche. Sie bewirken eine langsame Bräunung, die wiederum gegen Sonnenlicht schützt. Sie bewirken aber auch den Sonnenbrand. Die UV-B-Strahlen sind zur Zeit des höchsten Sonnenstands zwischen 11 und 15 Uhr am intensivsten. Sie gelten als mitverantwortlich für Hautkrebs (Melanome).


Oft unterschätzt: Sonne in den Bergen

Hinzu kommen einige weitere Faktoren, die leicht unterschätzt werden und so schnell zu einem Sonnenbrand führen können:

  • Höhenfaktor: Die Sonne beziehungsweise die Intensität der UV-Strahlen ist in Bergen sehr viel intensiver als im städtischen Flachland. Und je höher Sie steigen, desto stärker wird die Dosis der UV-Strahlen. Je 1.000 m Höhe nimmt die Intensität um 10 % zu.
  • Zeitfaktor: Die höchste Gefahr besteht in der prallen Mittagssonne zwischen 11-15 Uhr.
  • Spiegelfaktor: Die Strahlendosis wirkt durch den blauen Himmel nicht nur ungefiltert auf Sie ein. Sie wird auch durch die Umgebung (Felsen, Schnee) noch reflektiert.
  • Wolkenfaktor: Wolken dienen als natürlicher UV-Filter. Allerdings filtern sie nur etwa 10%.
  • Schattenfaktor: Auch der kühlende Schatten ist in dieser Beziehung trügerisch: Hier sind Sie noch immer 80% der UV-Strahlung ausgesetzt.
  • Gefühlsfaktor: Normalerweise warnt auch die Hauterwärmung vor einem drohenden Sonnenbrand. Wind und Kälte können dieses ohnehin subjektive Gefühl aber weiter täuschen.

 

So schützen Sie sich gegen lästigen Sonnenbrand

Mit diesem Wissen werden Sie sicher auch die folgenden Tipps gegen Sonnenbrand sehr viel besser nachvollziehen und umsetzen können:

  1. Langsam vorbräunen: Nach Möglichkeit sollten Sie bereits zu Hause langsam vorbräunen, allerdings nicht im Sonnenstudio, da dort in der Regel nur reines UV-A-Licht verwendet wird. Ansonsten nutzen Sie die ersten Urlaubstage dazu und gehen halten Sie sich nicht gleich stundenlang in der prallen Sonne auf.
  2. Eincremen: Cremen Sie sich grundsätzlich ein (Sonnenschutzcremen, -lotion, -milch), vor Wanderungen auch am ganzen Körper. Verwenden Sie dazu ein geeignetes Mittel mit hohem Lichtschutzfaktor (je nach Hauttyp mindestens LSF 30-60 oder sogar LSF > 60), das auch einen UVA-Schutz ausdrücklich ausweist. Tragen Sie den Sonnenschutz 20-30 Minuten vor dem Rausgehen auf. Cremen Sie alle 2 Stunden nach, bei starkem Schwitzen, Abtrocknen und durch Reibung der Kleidung am Körper auch früher. Insbesondere die exponierten Stellen am Kopf (Stirn, Glatze, Augenbereich, Ohren, Nase und Nasenrücken, Kinn) und Oberkörper (Nacken, Schultern, Brüste) brauchen besonders viel Schutz. Für die Lippen verwenden Sie einen speziellen Fettstift. Verzichten Sie als Mann auch auf das sonst obligatorische Rasierwasser.
  3. Kopfschutz: Tragen Sie einen breitkrempigen Hut, mindestens ein Cap.Wandertipps für den Urlaub
  4. Augenschutz: Tragen Sie eine gutem UV-sichere Sonnenbrille. Insbesondere die billigen Sonnenbrillen für Kinder sind nicht UV-sicher und deshalb nicht für draußen geeignet.
  5. Hals- und Nackenschutz: Ein Halstuch schützt vor der Sonne und saugt den Schweiß auf. Unterwegs können Sie es abnehmen, sich damit das Gesicht abwischen, es befeuchten und sich so zum Beispiel im Gesicht Kühlung verschaffen.
  6. Kleidung: Tragen Sie langärmelige Hemden und lange Hosen mit abnehmbaren Beinen. Bevorzugen Sie weite, dunkle Kleidung. Entgegen landläufiger Meinung bieten weiße T-Shirts nur bedingt Schutz gegen die Sonnenstrahlen: Sie filtern gerade mal 10 Prozent. Baumwolle filtert UV-B nur sehr schlecht, hier bietet Polyester-Kleidung mehr Schutz. Besser sind UV-sichere Kleidungsstücke mit ausgewiesenem UV-Protektionsfaktor (UPF). Für Kinder reichen bei niedriger UV-Belastung UPF 20-40, ansonsten sollte durchaus UPF 80 in Betracht gezogen werden.
  7. Pralle Sonne meiden: Gehen Sie nach Möglichkeit nicht in prallen Mittagssonne wandern. Nutzen Sie diese Zeit für eine Pause.
  8. Schatten suchen: Auch wenn es im Hinblick auf die UV-Strahlen nur wenig hilft: Suchen Sie auch beim Wandern möglichst Schatten.
  9. Planung: Planen Sie Ihre Wanderung umsichtig, Berücksichtigen Sie Aufbruchs- und Rückkehrzeiten und in diesem Zusammenhang auch den Sonnenstand (Höhe, Richtung).
  10. Notfall-Apotheke: Auch auf kurzen Strecken sollten Sie Ihre Notfall-Apotheke immer dabei haben. Im Hinblick auf drohenden Sonnenbrand sollte sie unter anderem auch Kühlgel, Brandsalbe und Mullbinden enthalten.

 

Kinder brauchen besonderen Schutz gegen die Sonne

Wenn Kinder mitwandern, sollten Sie diese besonders schützen. Untersuchungen haben gezeigt, dass schwere Sonnenbrände im Kindes- und Jugendalter das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken, um das 3- bis 5-fache erhöhen. Babys unter 12 Monaten sollten überhaupt nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden. Beachten Sie auch die obigen Hinweise zu Sonnenmittel, Sonnenbrille und UVP-Kleidung.

 

Achtung: Sonnenstich-Gefahr

Sehr viel schlimmer als in Sonnenbrand ist ein Sonnenstich, und der droht, wenn Sie die Alarmzeichen eines Sonnenbrands nicht beachten und einfach in der Hitze weiter wandern.

Folgende Symptome deuten auf einen Sonnenstich hin:Wandern ohne Sonnenstich

  • Hochroter Kopf infolge Sonnenbrand
  • Kopfschmerz
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Die Symptome treten meist erst nach 4-6 Stunden auf, der Höhepunkt wird sogar erst nach 14-20 Stunden erreicht.

  • Wenn Sie dann noch unterwegs sind, machen Sie unbedingt eine Pause.
  • Suchen Sie Schatten auf und kühlen Sie den Körper, insbesondere den Kopf.
  • Ein kühle Dusche wäre nicht schlecht.
  • Springen Sie aber keinesfalls in den nächsten Natursee – es drohen Schock und Herzinfarkt!
  • Lassen Sie sich nach Möglichkeit ärztlich versorgen. Insbesondere die geschundene Kopfhaut braucht nun fachmännische Hilfe.
  • Trinken Sie viel (Wasser, Mineralwasser, Schorle).


Vermeintlicher Sonnenbrand: Sonnenallergie und Lichtempfindlichkeit

Ein weiteres Problem, das die Sonne beim Wandern auslösen kann, ist eine Sonnenallergie. Erkennbar ist sie an folgenden Symptomen:

  • Pusteln
  • Bläschen
  • Fieber

Suchen Sie in diesem Fall unbedingt einen Arzt auf!

 

Falls Sie Medikamente nehmen, sprechen Sie vor der Abreise mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Einige Medikamente wie Rheumamittel, Schmerzmittel (zum Beispiel Ibuprofen), Antibiotika, Diuretika (harn- und wassertreibende Medikamente), Antidepressiva, Diabetes-Medikamente, aber auch Mittel mit Johanniskraut, Baldrian oder Arnika bewirken eine Lichtempfindlichkeit (Photosensiivität). Typische Symptome sind

  • Juckende oder entzündete rote Haut
  • Verbrennungen
  • Fleckige Hautmale

Suchen Sie in einem solchen Fall ebenfalls einen Arzt auf.

 

Mit diesen Tipps sollte es Ihnen gelingen, Ihre Wanderungen ohne lästigen, ungesunden Sonnenbrand zu überstehen und stattdessen mit einer gesunden Urlaubsbräune nach Haus zu kommen.

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