Vom Speisesaal zum Wohnzimmer
3. November 2026

Halb sieben an einem Winterabend in Fiss. Draußen macht der Schnee die Via Claudia Augusta leise, drinnen im Hotel Gebhard brennt Licht in einem Raum, der einmal ein Speisesaal war. Weiße Tischdecken gab es hier, ein Menü um sieben, 88 Punkte und zwei Gabeln im Falstaff. Heute steht auf dem Tisch, was eine Familie aus dem Dorf mitgebracht hat: Speck, Käse, ein Laib Brot. Die Kinder holen Brettchen aus dem Regal, der Vater einen Wein aus dem Keller, und niemand schaut auf die Uhr.
So fing es an: Nach Corona saß die Familie Pregenzer, die das Haus seit 1983 führt, vor der Frage, wie es weitergeht. Das Restaurant lief, es war mehrfach ausgezeichnet, sieben Leute standen an einem Abend in Küche und Service. Und doch sagten die Gäste etwas, das man im Hotel nicht gern hört. "Unsere Gäste wollten abends nicht um sieben Uhr am Tisch sitzen müssen", sagt Michael Pregenzer, der das Haus in zweiter Generation führt. Beim Umbau 2022 fiel die Entscheidung: Das Frühstück bleibt. Das Abendessen gehört den Gästen.
Seither ist der Speisesaal ein Wohnzimmer. Wer von der Piste kommt, kommt, wann er kommt. Wer bis zur Dämmerung gewandert ist, isst um neun. In den Kühlschränken liegen Speck, Käse und Wurst aus der Region, auf Vorbestellung kommt eine Pizza Romana aus dem Ofen des Hauses, Kaffee und Tee stehen den ganzen Tag bereit, die Brotzeit-Bar bis 21 Uhr. Alles im Zimmerpreis. Eine einzige Person betreut den Abend, wo früher sieben waren, und die Zimmerpreise sind inflationsbereinigt dieselben geblieben.
Verloren ging eine Speisekarte. Geblieben ist das Zusammensitzen. "Jetzt sitzen sie trotzdem zusammen, nur ohne Speisekarte", sagt Pregenzer. In den Bewertungen taucht der Raum seit drei Jahren als Grund zum Wiederkommen auf: ein Wohnzimmer, in dem man Freunde trifft.
Und Fiss hat etwas davon. Wer im Gebhard wohnt, isst in den Lokalen des Dorfes oder kauft dort ein, was abends auf den Tisch kommt. Der Speisesaal ist zu. Das Wohnzimmer ist offen.




